Wenn im Leben immer wieder schmerzliche Gefühle wie Trauer, Wut, Verzweiflung oder Angst auftauchen, ist unvorstellbar, dass das Leben ein göttliches Spiel ist.
In der Selbstbeobachtung sind es genau diese schmerzlichen Gefühle, die mich auf die Suche bewegen, ob und wie ich aus dem Schmerz wieder herausfinde.
Die Fragen, ob und wie ein zufriedenes, erfülltes Leben möglich ist und was das Leben in Wirklichkeit ist, bewegen mich auf eine innere Reise.
Im Bewusstseinsprozess wird klar, dass jedem schmerzlichen Gefühl ein unbewusster Angst-Gedanke zugrunde liegt. Wie weitreichend diese Erkenntnis eigentlich ist, ahne ich noch nicht, wenn mir im Leben immer wieder schmerzliche Momente begegnen. Das genaue Betrachten der Angstgedanken führt mich zu einem mir bisher nicht erahnten Urschmerz. Es ist der schmerzliche Gedanke, ein getrenntes, körperliches Wesen zu sein, das sterben kann. Es ist die Todesangst, die sich in allen möglichen Gedanken verbirgt, z.B. in der Angst, geliebte Menschen zu verlieren, körperliche Gesundheit zu verlieren, die Angst vor einer Diktatur, die Angst vor dem Sterben, dem Tod usw.
Mit dem Gedanken „Ich bin getrennt, ein Körper.“ beginnt die Geschichte meiner Person: „Ich bin geboren, Ich kann hier etwas tun, Ich kann sterben.“ Hier beginnt meine so genannte persönliche Lebensgeschichte, in der sich Geschichte an Geschichte reiht.
Rollenspiele
Mir dessen nicht bewusst, bin ich auf der Suche nach einem erfüllten Leben, was ich mir in der Verbindung zu einem Partner, einer Familie und Freunden erhoffe, an einem schönen Ort, verbunden mit einer Tätigkeit, die mir Freude bereiten soll und die mir sinnvoll erscheint.
Um den Schmerz des körperlichen Getrenntseins nicht zu fühlen, suche ich Verbindung zu anderen Menschen und nehme unbewusst die Rolle der Frau, der Partnerin, der Mutter, der Tochter, der Freundin an, um nur einige zu nennen. In jeder dieser Rolle habe ich bestimmte Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen und möchte mir diese erfüllen und diese von anderen Menschen erfüllt bekommen. So möchte ich z.B. eine attraktive Frau, eine liebenswerte Partnerin, eine gute Mutter sein. Wenn sich meine Rollen-Vorstellungen erfüllen, erscheint mir das Leben als erfüllt und angenehm, wenn sie sich nicht erfüllen, lehne ich mich oder andere in ihren entsprechenden Rollen ab. Wenn ich z.B. einen Mann kennenlerne, den ich attraktiv finde und eine Partnerschaft entsteht, bin ich glücklich und zufrieden. Die Rolle als Partnerin erscheint mir als gut und wohltuend. Kritisiert mich der Partner immer wieder, interpretiere ich, dass ich keine gute Partnerin bin oder dass er nicht der passende Partner ist, was zum Streit und möglicherweise zur Trennung aus der Partnerschaft führt. Im Schmerz der Trennung lehne ich sowohl den Partner als auch mich als Partnerin ab. Vielleicht erzähle ich mir die Geschichte, dass mich der Mann verletzt hat, dass er kein guter Partner ist, oder ich werte mich als Frau und Partnerin ab, wenn er mich kritisiert oder sich für andere Frauen interessiert.
Die Menschen um mich herum bekommen die Rollen, die ich ihnen unbewusst zuschreibe
Die gedanklichen Rollenzuschreibungen und die daran gekoppelten Urteile von schön und hässlich, geliebt und ungeliebt, gut und böse, richtig und falsch etc. erschaffen die Wahrnehmung „meiner“ äußeren Welt und damit meine persönlichen Geschichten. So bin ich in den gedanklichen Rollenspielen in der Dualität gefangen, die durch die Bewertung des Verstandes als gut, im Sinne von wohltuend oder schlecht, im Sinne von schmerzlich interpretiert werden. Ich bewerte mich oder den anderen in der Projektion, weil ich verpasst habe, mich im anderen als meine Gedankengeschichte zu erkennen.
Innen und außen ist EINS
Durch die Anerkennung der Spiegelung und durch die Überprüfung der Urteile und Bedürfnisse, die mich als Person in den angenommenen Rollen hinterfragen, ist klar, dass alles Leben außerhalb von mir die Projektion meiner bewertenden Gedanken und Überzeugungen ist. Alles ist Spiegel meiner gedanklichen Interpretationen. Die Welt ist Projektion (m)einer Gedankengeschichte. Der andere bin ich selbst.
Wenn die gedanklichen Rollenspiele durchschaut sind, löst sich die schmerzliche Trennungsangst und die Suche nach einem erfüllten, zufriedenen Leben hört auf.
Ist das weltliche Spiel als gedankliche Illusion durchschaut, ist es das Erwachen in der Gleichwertigkeit allen Seins. Statt Trennungsangst offenbart sich bedingungslose Lebensfreude, Dankbarkeit für das, was ist. In diesem Zustand ist die Ich-Person als Illusion durchschaut. Wo kein „Ich“ ist, ist geistiges, liebendes GewahrSein. ICH BIN nicht in der Welt, die Welt ist in mir. Hier ist Liebe die Kraft, die erstmalig uneigennütziges Handeln ermöglicht. Hier ist Freude am göttlichen Spiel, so wie es geschieht.
Autor: Daniela Schuchardt
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